Mit Schwung zieht Horst Schülter die Sense durchs Getreidefeld. Die Flapp, eine Art Stoffsegel am Sensenstiel, sorgt dafür, dass sich die einzelnen Halme einigermaßen geordnet zur Seite legen, bevor andere Männer die Halme ergreifen, mit der Hand zusammenbinden, alle auf eine Länge stutzen und die fertigen Garben auf den alten Holzkarren legen.
Doch es sind keine Bauern oder Hobbylandwirte, die hier auf dem Hönninger Weizenfeld bei der Arbeit sind. Es sind Mitglieder der ortsansässigen "Ahr-Glühköpp", einer knapp zwanzigköpfigen Interessengemeinschaft, deren Herz an alten Traktoren und Standmotoren, landwirtschaftlichen Maschinen, Erntegeräten und von Dieselmotoren angetriebenen Schleifsteinen hängt.
In regelmäßigen Abständen organisieren die Liebhaber ein Oldtimertreffen, zu dem neben zahlreichen heimischen Schätzen auch das ein oder andere Schmuckstück aus der Umgebung anrollt. "Das nächste Treffen ist für Anfang Mai kommenden Jahres geplant", erläutert Schülter den Hintergrund der Aktion auf dem Weizenfeld. "Und da zu unserem Fundus auch eine alte Dreschmaschine gehört, führen wir diese gerne während des Treffens vor."
Doch dafür brauchen die "Ahr-Glühkopp" noch nach alter Manier gebundene Getreidegarben, die sie bis dato teuer kaufen mussten. "Doch wenn schon, dann machen wir die Sache jetzt auch richtig", sind sich die Männer und Frauen auf dem Feld einig. "Ältere Bewohner des Ortes wissen noch, wie man die Garben bindet, und alles Weitere ist Übung", ist Schülter überzeugt, wischt sich den Schweiß von der Stirn und greift erneut zur Sense.
Rund 150 Getreidegarben benötigen die "Ahr-Glühköpp" für die Vorführungen an der alten Dresch- maschine. Eine schweißtreibende Angelegenheit, doch eines steht fest: Geht es um ihre alten "Glühköpp" nehmen die Oldtimerliebhaber gerne jede Anstrengung in Kauf. (um)